EuroTeQ Alumnus Oliver Friedl

im Gespräch mit Pia Mütsch und Kalle Kersten
Oliver Friedl arbeitet als Sustainability Project Manager bei Siemens, dort ist er im Product Life Management tätig. Er studierte Sustainability Management and Technology im Master an der TUM und nahm 2023 am EuroTeQ Collider teil. In seinem Projekt arbeitete er an einer Lösung zum Recyling von Solarmodulen.


Pia Mütsch studiert im Bachelor Bioeconomy. Sie ist Teil der TUMJA #class25 im Team Sprouts und in der Taskforce CAP.
Kalle Kersten studiert im Bachelor Physik. Auch er ist Mitglied der #class25 im Team Sprouts und leitet die Taskforce Recruiting.
Beide haben 2026 am EuroTeQ Green Deal Collider in Tallinn teilgenommen.
Kalle: Hallo Oliver, erstmal vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast, das Interview mit uns zu machen. Stelle dich zu Beginn gerne einmal vor.
Oliver: Mein Name ist Oliver Friedl, ich arbeite seit ungefähr einem halben Jahr bei Siemens Mobility im Sustainable Management und im Customer Service bzw. dem Product Life Management. In meiner Freizeit tüftle ich gerne an Computern und 3D Druckern herum, das würde ich als meine Hobbys bezeichnen.
Kalle: Cool, dankeschön. Wie bist du zum Studiengang Sustainable Management and Technology an der TUM gekommen?
Oliver: In meinem Bachelor habe ich im Auslandssemester in Nordschweden ein Praktikum bei Sweco gemacht. Das ist eine Consultancy für Architektur, Städteplanung und Ingenieure, die viel in die nachhaltige Richtung machen. Ich war dort im Green Financing und so bin ich auf Sustainability gekommen und habe dann gedacht, okay, da gibt es bestimmt einen Master in die Richtung. Zur TUM kam ich eher aus Zufall.
Kalle: Wie war der Zufall?
Oliver: Ich hatte damals ein Jobangebot von Sweco und war an einem Scheidepunkt: Entweder nehme ich diesen Job an und bleibe in Schweden oder ich bewerbe mich auf ein Masterprogramm, und wenn ich da reinkomme, dann gehe ich zurück nach Deutschland. Und dann wurde ich angenommen.
Kalle: Bist du zufrieden mit der Entscheidung?
Oliver: Ja, auf jeden Fall.
Kalle: Unser Interview heute ist im Kontext von EuroTeQ. Wie kam es, dass du teilgenommen hast?
Oliver: EuroTeQ geht ja in die Richtung eines Hackathons. Hackathons fand ich schon immer cool, aber nachdem ich nicht hacken konnte, habe ich nie bei einem mitgemacht. Deshalb habe ich mich dann beim EuroTeQ beworben und das war auch sehr cool.
Kalle: Es war also das erste Mal, dass du an einem solchen Format teilgenommen hast?
Oliver: Ja genau, ich habe darin auch die Chance gesehen rauszukommen und ein bisschen zu reisen.
Kalle: Warst du dann in Tallinn?
Oliver: Nein, ich war nur in München, unser Team ist leider direkt in der ersten Runde rausgeflogen. Aber wenn ich mich richtig erinnere, wäre meine Kohorte nach Prag gegangen.
Kalle: Sehr cool! Hat dir das Programm Spaß gemacht?
Oliver: Auf jeden Fall. Am liebsten erinnere ich mich an unser erstes Arbeitswochenende zurück, das war in einem alten Schloss außerhalb von München. Das war richtig cool, aber es sind auch verrückte Sachen passiert. Nachdem wir wirklich intensiv gearbeitet hatten, sind wir Samstagabend bei strahlendem Sonnenschein in einen Biergarten gegangen und während wir dort waren, hat es angefangen, wie aus Eimern zu schütten. Wir sind dann durch den Regen nach Hause gerannt und als wir in dieses Schloss zurückkamen, hat es furchtbar nach Kloake gestunken. Wegen dieser Sturzflut hat es in fast allen Zimmern die Toiletten zurückgespült. Wir waren dann nachts um halb drei auf unseren Zimmern, alle Fenster waren auf, man konnte kaum atmen und dann ist der Notdienst für die Wasserrohre gekommen und hat mitten in der Nacht die Rohre repariert.
Pia: Oh nein!
Oliver: Aber das war irgendwie auch total lustig und ist auf jeden Fall hängengeblieben.
Kalle: Wie lief der Collider bei euch ab? Was war dein Projekt?
Oliver: Wir hatten damals ein Projekt bei der Bayerischen Landesbank, die eine Challenge zum Recycling von Solarmodulen gestellt hat. Zu dieser Zeit ist die Förderung für Solarmodule mehr oder weniger im Auslaufen gewesen und es wurde antizipiert, dass in den nächsten Jahren sehr viele Solarmodule recycelt werden müssen. Für die Aufbereitung gab es aber noch keine richtig gute Methode. Die Module wurden einfach geschreddert und dieser Sand musste dann wieder getrennt werden, um daraus neue Module bauen zu können. Das ist aber super aufwändig und super teuer. Die bayerische Landesbank wollte herausfinden, ob es andere Methoden für das Recycling gibt, in die man investieren kann. Wir haben herausgefunden, dass das Ursprungsproblem jedoch nicht die Solarmodule sind. Die Module wurden damals im Rahmen staatlicher Förderprogramme entwickelt und gefördert. Durch diese Förderung hat sich die Technologie sehr schnell weiterentwickelt, deutlich schneller und besser, als ursprünglich erwartet. Die Lebensdauer der Module wurde damals auf 25 Jahre angesetzt, obwohl die tatsächliche Lebensdauer viel länger ist. Mittlerweile weiß man, dass die Module nach 25 Jahren immer noch 80% Kapazität haben und damit noch voll funktionsfähig sind. Nachdem aber das Förderprogramm kurz vor dem Auslaufen war, haben sich viele Leute mit alten Solaranlagen gesagt, dass sie die Förderung für eine neue Anlage noch mitnehmen wollen. Deswegen wurden viele noch gute Solaranlagen weggeworfen. Als Lösung für die Challenge wollten wir in die politische Richtung gehen und vorschlagen, dass die Förderung umgeschrieben werden soll. Wir haben das Problem also eher bei der Fördermittelvergabe gesehen als bei den Solarmodulen an sich.
Pia: Das finde ich cool, dass ihr in das Problem reingeschaut und eine ganz andere Lösung identifiziert habt.
Oliver: Nur bei der Präsentation hat es halt leider nicht so überzeugt. Andere Teams haben eine App gebaut oder ähnliches und wir hatten überlegt diesen Antrag zu stellen. Nachdem wir aber direkt in München rausgeflogen sind, war die Enttäuschung groß und wir haben es doch nicht gemacht.
Pia: Kanntest du die Leute aus deinem Team oder habt ihr euch dort zufällig gefunden?
Oliver: Es waren tatsächlich sehr viele aus Straubing dabei, weil die Challenge ja zum Thema Sustainability gestellt war. Die Teams wurden so zusammengestellt, dass sich ein cooler Mix ergeben hat. In meinem Team kannte ich einen anderen aus Straubing, dann waren noch zwei oder drei aus München dabei.
Kalle: Aber das Team war nicht besonders international geprägt?
Oliver: Doch, sehr. In meinem Team war ich der einzige Deutsche, mein Freund aus Straubing kam aus der Türkei, wir hatten noch jemanden aus Ägypten, jemanden aus Südamerika und eine Person aus Indien. Das war einmal komplett um die Welt eigentlich.
Kalle: Das war bei uns sehr ähnlich. Wenn du jetzt sagst, dass ihr das Projekt nicht weiterverfolgt habt, was hast du trotzdem mitgenommen?
Oliver: Ich muss tatsächlich sagen, dass der EuroTeQ Collider mir sehr beim Bewerben geholfen hat. Bei Bewerbungsgesprächen muss man ja sehr oft Beispiele bringen, mit denen man überzeugen kann, insbesondere, wenn man noch keine Berufserfahrung hat. Wenn man bei so einem Projekt mitgemacht hat, kann man natürlich viel darüber erzählen. Man kann im Lebenslauf schreiben, dass man teamfähig ist, aber im Gespräch braucht es eine Story, wie man im Team gearbeitet hat und warum genau man teamfähig ist.
Kalle: Das finde ich ein super Beispiel. Vor zwei Wochen habe ich mich auf ein Stipendium beworben, da ging es darum, ob man sich für Sustainability interessiert. Man sollte auch ein konkretes Beispiel nennen. Das war für mich mit dem Collider natürlich perfekt.
Oliver: Ich muss ehrlich gestehen, ich habe bei meinen Bewerbungen auch immer „Name Dropping“ betrieben. Ich habe eigentlich immer erzählt, dass ich mal ein Projekt für die Bayerische Landesbank gemacht habe und erzähle auch sehr gerne von EuroTeQ. Natürlich sollte man seine Challenge jetzt nicht ausschließlich nach Titel oder Firma aussuchen, aber es ist schon cool, wenn eine größere Firma oder Bank dahintersteht.
Kalle: Hast du die Challenge damals nach den Teammitgliedern gewählt?
Oliver: Nein, wir wurden im Nachhinein zusammengewürfelt. Wir haben uns auf drei Challenges mit Priorisierung beworben und wurden dann zugewiesen. Gerade am Anfang war das auch ein bisschen seltsam, zu der Zeit war es erstmal nur online und im ersten Meeting war man dann mit sechs anderen Leuten in einem Call. Bei unserem zweiten Call war dann auch schon unser Challenge-Geber, die Bayerische Landesbank dabei.
Kalle: Wie bist du zu Siemens gekommen?
Oliver: Zu Siemens bin ich über meinen Werkstudentenjob gekommen. Ich fand Siemens schon immer eine coole Firma und als Werkstudent habe ich hier auch sehr gerne gearbeitet.
Kalle: Was waren deine Aufgaben als Werkstudent?
Oliver: Ich war im strategischen Management für Batterie-Recycling Auslösungen. Zu der Zeit hat Siemens eine vollautomatische Batterie-Recyclinganlage entwickelt und da war ich Support im Management.
Kalle: Für Lithium-Ionen-Batterien?
Oliver: Ja, genau.
Kalle: Dann warst du ja die ganze Zeit schon sehr auf Nachhaltigkeit fokussiert. Du meintest, dass du jetzt seit 5 Monaten hauptberuflich bei Siemens bist. Warum hast du dich nochmal für Siemens entschieden?
Oliver: Mir hat die „Siemens Mentality“ schon immer sehr gefallen, vor allem, wie die Leute miteinander umgehen. Man ist oft per Du, auch mit Leuten, die man nicht kennt. Aber auch das Leben am Campus fand ich schon immer cool. Siemens ist dazu auch noch ein Top Arbeitgeber, also die Benefits sprechen einfach für sich.
Kalle: Wie kann ich mir Mobility Customer Service vorstellen? Welche Customers hast du, welchen Service leistest du?
Oliver: Ich selbst leiste tatsächlich gar keinen Customer Service und habe mit den Kunden per se eigentlich nichts zu tun. Aber wenn ein Regionalbahnunternehmen bei Siemens Züge kauft, müssen diese Züge gewartet werden und das übernimmt Siemens. Die Serviceleistungen werden mehr oder weniger gemeinsam mit dem Zug verkauft. Jede dieser Leistungen hat natürlich einen CO2 Fußabdruck und den versuche ich zu ermitteln und zu verbessern.
Züge sind sehr komplexe Produkte und auch der Service von Zügen ist sehr komplex. Nachdem ich erst vor kurzem dazugekommen bin, verbringe ich noch sehr viel Zeit damit zu lernen und zu verstehen, wie ein Zugservice überhaupt funktioniert und worauf es ankommt. Aktuell versuche ich, Lifecycle-Analysen durchzuführen.
Kalle: Das ist hauptsächlich Datenanalyse, oder? Inwiefern ist das Ganze auch technisch angehaucht?
Oliver: Im Sustainability Studium sind Product Lifecycle Analysen eines der größten Themen. Das ist eine Methode, um den Lebenszyklus von einem Produkt zu begleiten, zu untersuchen und zu sehen, wie der tatsächliche Impact auf die Umwelt ist. Diese Methode wende ich jetzt auch auf unsere Serviceleistungen an und sammle dadurch Daten und wenn es etwas zu vergleichen gibt, vergleiche ich diese Daten auch.
Kalle: Deine Hauptaufgabe ist somit erst mal die Analyse, mit dem Reporting hast du dann gar nicht so viel zu tun?
Oliver: Ja, genau, ich bin quasi die Arbeiterameise, die fleißig Daten sammelt.
Kalle: Wie sammelst du deine Daten? Ich nehme jetzt nicht an, dass du neben der Produktionslinie stehst, oder?
Oliver: Doch, gerade jetzt am Anfang war ich in ein paar Werken von Siemens und habe meine Zeit damit verbracht zu verstehen, wie die Prozesse und die Planung dahinter genau funktionieren. Auf lange Sicht ist es meine Aufgabe, die Serviceleistungen anzuschauen und den einzelnen Prozessschritten CO2 Werte zuzuordnen, indem ich Daten erhebe. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter einen Akkuschrauber benutzt, um Schrauben zu lösen, würde ich mir den Akkuschrauber anschauen, schauen, wie lange der Prozess dauert und dann kann ich mir ausrechnen, wie viel Strom dabei verbraucht wird. Daraus kann ich ungefähr berechnen wie viel CO2 das verbraucht. Da kommen natürlich noch ein paar mehr Details dazu, aber das ist so im Großen und Ganzen meine Aufgabe.
Pia: Das hört sich so an, als könntest du selbst entscheiden, an welchem Prozess du arbeiten möchtest. Stimmt das?
Oliver: Ja, ich bin relativ frei in dem, was ich mache. Ich stecke ja aber noch in der Anfangsphase, in der ich mich selbst anlerne und die ersten Probeanalysen mache. Siemens präferiert aber schon besondere Serviceleistungen.
Pia: Gibt es bei Siemens noch mehr Leute, die Lifecycle Assessment machen?
Oliver: Auf jeden Fall, ich bin da wirklich nur ein kleiner Teil davon.
Kalle: Aber bist du die einzige Person, die den Customer Service für Züge macht?
Oliver: Oh, das ist eine gute Frage. Siemens ist ja eine riesige Firma, wenn man erst fünf Monate da ist, kann man auch nicht alle Leute kennen. Es gibt wie gesagt viele Leute die Lifecycle Assessment machen, es könnte aber schon sein, dass ich der Einzige bin, der diese Analysen für Serviceleistungen macht.
Kalle: Wie viel kannst du von den verschiedenen Angeboten, wie EuroTeQ, aus deiner Studienzeit mitnehmen? Ist das eher etwas wie Excel oder sind das eher die Soft Skills?
Oliver: Das ist ganz eindeutig Teamwork.
Kalle: Würdest du sagen, dass du so etwas wie Networking im Studium gelernt hast? Durch Gruppenarbeiten oder ähnliches?
Oliver: Im Studium fand ich Gruppen- und Projektarbeiten schon immer sehr gut, deswegen habe ich auch bei EuroTeQ mitgemacht. Das ist auch einfach was anderes als nur in einem Hörsaal zu sitzen. Ich habe auch immer das Gefühl gehabt, dass ich aus diesen Arbeiten mehr mitnehmen konnte.
Kalle: Ja, durch solche Projektarbeiten fällt es dann ja auch leichter, auf Leute zuzugehen.
Oliver: Auf jeden Fall. Da musst du durch! Bei uns war der EuroTeQ erstmal nur digital, so musste man auch die Leute kennenlernen. Aber als Team zusammengewachsen sind wir erst so richtig an diesem Wochenende in München.
Kalle: Wie wichtig ist dir jetzt bei Siemens dieser virtuelle Teil im Vergleich zum persönlichen Kontakt?
Oliver: Ich finde die Mischung macht's. Bei Siemens haben wir drei Tage Office, zwei Tage Homeoffice und ich finde es perfekt. Dadurch kann ich an einem regnerischen Montag zu Hause Homeoffice machen oder ich kann am Freitag, wenn ich Besuch bekomme bis mittags Homeoffice machen und spare mir die Wegzeit. Gleichzeitig finde ich es aber auch mega schön, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag im Office zu sein mit meinen Kollegen und gemeinsam in die Kantine zu gehen.
Kalle: Ein Teil von EuroTeQ ist es auch, sich in ein neues Projekt einzuarbeiten. Du hattest schon angesprochen, dass du in verschiedenen Projekten involviert bist, in verschiedenen Gremien sitzt. Wie sehr hat dir EuroTeQ dabei geholfen, dich in verschiedenen Themen einzuarbeiten?
Oliver: Bei EuroTeQ ist es ja so, dass man diese Challenge bekommt und dann sitzt man erst mal da und hat eigentlich nichts. Dann ist das Meeting mit dem Challenge-Geber, der nochmal ganz viele Informationen liefert und dann muss man erst einmal viel Recherche betreiben und sich da wirklich reinfuchsen. Das ist jetzt natürlich genauso. Am Ende des Tages sind wir alle Babys, die sich in irgendwas reinfuchsen.
Kalle: Wie viel Zeit verbringst du mit anderen Projekten und wie spannend findest du auch die anderen Themen, die so anstehen?
Oliver: Da finde ich auch wieder die Abwechslung sehr wichtig. Wenn man den ganzen Tag vor einer Excel Liste sitzt, schwimmen dir irgendwann die Zahlen vor den Augen und dann kommen keine richtigen Ergebnisse mehr raus. Dann ist die Abwechslung nett, wenn man sich für zwei Stunden auf ein anderes Thema, vielleicht auch mit anderen Kollegen konzentrieren kann.
Kalle: Hast du dann auch das Gefühl, dass du Impact leisten kannst, wenn du die beratende Position einnimmst?
Oliver: Ganz oft bei diesen Projekten ist das wie EuroTeQ in Mini. Du hast ein Problem oder eine Challenge, dann werden Leute zusammengezogen und einer sagt „Ich kenn noch einen, der Oliver, der macht auch was mit Sustainability und wir brauchen ja gerade was mit Sustainability“. Dann werde ich gefragt, „Hey, möchtest du da mitmachen? Hast du da Interesse dran?“ Und dann geht man da rein und sitzt mit wildfremden Leuten in einem Meetingraum. EuroTeQ ist eigentlich die beste Berufsvorbereitung, die es gibt. Es gibt eine Challenge, die gelöst werden muss, dafür bildet sich fast automatisch ein Team - mehr oder weniger zusammengewürfelt. Und dann fängt man an, verteilt Aufgaben, macht Arbeitspakete und geht die Challenge an.
Kalle: Wie hilft dir Interdisziplinarität dabei? Bei EuroTeQ hatten wir zum Beispiel eine sehr bunte Mischung. Sagst du, das ist mega praktisch, weil du ein bisschen gelernt hast, mit Ingenieuren zu arbeiten? Oder sind in deinem Arbeitsumfeld sowieso mehr Management-Leute?
Oliver: Mit dem Studium SMT bist du mehr oder weniger ein Bindeglied zwischen den Technikern und den BWLern. Das ist auch die Beschreibung des Studiengangs. Ich würde also sagen, dass ich das vorher schon konnte. EuroTeQ ist aber auf jeden Fall ein guter Test. Das ist aber ja auch nichts, was man einmal kann und dann kann man es für immer. Es ist wie mit Public Speaking: Wenn man darin gut sein möchte, muss man es regelmäßig machen. Umso mehr interdisziplinäre Projekte man macht, umso besser, weil man so immer wieder übt.
Kalle: Zum Ende noch ein paar persönliche Fragen. Als allererstes: Welche Frage stellst du dir, wenn du ein neues Projekt hast und dir überlegst, „Ist das wirklich nachhaltig“?
Oliver: Das ist ein bisschen wie mit wissenschaftlichen Papern. Bei Nachhaltigkeit muss man immer ganz ans Ende scrollen und erstmal gucken, „Wer hat es bezahlt und woher kommen die Daten? Was waren die Methoden?“ Die Frage, die ich mir stelle, ist immer „Where is the money?“ Bei Projekten für Siemens zum Beispiel, ist es anders, da bin ich ja auf der anderen Seite. Aber wenn ich im Laden irgendwas „sustainability“-mäßiges sehe und die sagen „Oh guck mal, dieser Joghurt ist total toll und nachhaltig“, dann muss man sich das anschauen und sagen „Ist es das wirklich? Warum macht ihr das?“ Es gibt ja immer einen Grund.
Kalle: Gibt es für dich etwas, das dir im Alltag hilft, sei es bei der Arbeit oder persönlich. Wie ein kleines Mantra?
Oliver: Das klingt jetzt ein bisschen weird, aber immer, wenn ich auf die Arbeit gehe, lache ich kurz, weil ich mich freue, einen so coolen Job zu haben. Als Mantra würde ich wirklich Dankbarkeit sagen.
Kalle: Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad durch München fahre, denke ich auch sehr oft „Wow ist das schön hier. Mein Leben ist toll.“
Oliver: Ja, genau das mache ich auch. Gerade wenn ich vom Zug zur Arbeit laufe, scheint die Sonne hier so schön rein. Da stelle ich mir dann vor, dass ich gerade Vitamin D auflade und freue mich einfach.
Kalle: Mal abgesehen von mehr Lächeln. Was würdest du den Leuten, die dieses Interview durchlesen, mitgeben?
Oliver: Da würde ich gerne nochmal auf das Thema Sustainability zurückkommen. Das wird ja gerade eher wieder zurückgeschraubt, es gibt sehr viele kritische Nachrichten. Ich stelle mir das immer wie ein Pendel vor. Während der „Fridays for Future“ Zeit ging das Pendel sehr stark in Richtung Sustainability und gerade schwingt das Pendel wieder zurück, weg von der nachhaltigen Seite. Aber man muss auch mal bergab fahren, um wieder neuen Schwung zu holen und daran möchte ich mich festhalten. Das Pendel schwingt gerade zwar in die falsche Richtung, aber es wird auch wieder zurückschwingen.
Kalle: Was machst du selber, was nachhaltig ist, was du uns mitgeben möchtest?
Oliver: Da gibt es tatsächlich ein paar Sachen: Ich esse kein Fleisch und habe auch kein Auto, ich fahre eigentlich nur Zug. Ich finde es wichtig, auf den Impact zu schauen. Es gibt viele nachhaltige Leute, die es meiner Meinung nach übertreiben und sehr viele kleine Dinge machen, bei denen aber der Impact fehlt. Das verbraucht all ihre Zeit und Energie und im ersten Moment fühlt man sich natürlich besser, aber der Impact ist einfach nicht groß. Damit sollte man sich also beschäftigen, wenn man mehr Nachhaltigkeit in seinem Alltag haben möchte.
Kalle: Vielen lieben Dank für das Interview. Es hat sehr viel Spaß gemacht!
Oliver: Schön, dass ihr da wart.

