#class 2023 – das Jahrgangsthema

Die TUM: Junge Akademie fördert besonders talentierte und engagierte Studierende und Doktorand*innen aller Schools und Fakultäten sowie die der drei Münchner Partnerhochschulen über zwanzig Monate in einem aktiven Netzwerk. Die ideelle Förderung erfolgt für die Stipendiat*innen im Rahmen einer wissenschaftlichen, studentischen Projektarbeit bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit sowie bei der Weiterentwicklung ihrer sozialen und akademischen Kompetenzen. Dabei setzen sie in interdisziplinären Teams Projekte mit dem Fokus „Wissenschaft und Technik in der Gesellschaft“ um. 

  • Der Jahrgang 2023 mit Beginn zum Herbst 2022 steht unter dem Dachthema „LESS IS MORE?".

Das Thema wird seitens des Advisory Boards stets bewusst breit gewählt, um einen großen Interpretationsraum zu ermöglichen.

"Less is More? Empowering individuals to focus on the essentials"

Der durch Beobachtungen, Erfahrungen, Erlerntes und Erkenntnisse aufgespannte eigene „Reflexionsraum“ ist eine wichtige Grundlage für Überlegungen, für Entscheidungen und für die Gestaltung von Prozessen. Sind wir in diesem „Raum“ dabei tatsächlich so frei, dass es uns gelingt, „richtige“ Optimierungen und – wo erforderlich – gezielte, bei Bedarf auch disruptive Veränderungen auszulösen?

Sicher nicht! Denken und handeln findet immer innerhalb von Schranken statt: Schranken, z.B. aus der Begrenzung auf Begriffe, Schranken aus „Leitplanken“, den Paradigmen, die Denkrichtungen vorgeben, aber auch Schranken aus eingeengten, z.B. aus dem eigenen Spezialgebiet resultierenden Perspektiven, sowie Schranken, welche mit der Bildung, dem eigenen Kulturkreis und der individuellen Sozialisation im Zusammenhang stehen. Im „Reflexionsraum“ steht somit neben den Erfahrungen und Erkenntnissen also noch allerhand im Weg…

Dazu kommt: Gibt es überhaupt Optimierungen? Finden Veränderungen nicht immer vor dem Hintergrund (sich laufend verändernder) schwieriger Zielkonflikte, Verdrängungsmechanismen, Verlustängsten und komplexer, mitunter instrumentalisierter Kommunikation statt?

Was tun? Erst einmal: Wir Menschen steuern die Zukunft und müssen seit jeher denken und handeln! Gerade erhöht sich sowohl der Handlungsspielraum durch neue Optionen aus der Digitalisierung, Kommunikation und globalen Vernetzung als auch der Handlungsdruck, insbesondere aufgrund menschengemachter Veränderungen des Planeten (Anthropozän). Dynamische Veränderungen von Systemen bis hin zu komplexen Kettenreaktionen, die sich auf viele Bereiche unseres Lebens auswirken, sind hierfür Beleg. Um damit umzugehen und die zugehörigen Prozesse zu steuern, müssen wir den Reflexionsraum strukturieren, aber sicher auch erweitern und mit neuen Leitplanken ausstatten. Nur so können wir die ungeahnten Möglichkeiten mit einer Verantwortung für das Leben kommender Generationen verbinden. Eine große Chance!

Unter dem diesjährigen Call „Less is more!“ sollen die Stipendiatinnen und Stipendiaten der #class2023 Aktionsfelder identifizieren und bearbeiten, die unsere Handlungen und Paradigmen beleuchten, hinterfragen und dazu beitragen, unseren Reflexionsraum neuzugestalten. "Less is more" darf keinesfalls dahingehend missverstanden werden, dass wir über einen Generalverzicht uns in die Steinzeit zurückziehen, "Less" bedeutet vor allem das Hinterfragen, das „Entrümpeln“ von den vermeintlichen "Musts“, den Dingen, die als „gesetzt“ und in Stein gemeißelt angesehen werden und von überflüssig gewordenen Paradigmen. Damit einher geht sicher ganz konkret ein Umdenken und eine weiterentwickelte und neue Vorstellung von Wohlstand, verbunden mit Konzepten für die Gewährleistung von Sicherheit, Nachhaltigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen.

Was wären Beispiele? Natürlich Aktionsfelder in Richtung neuer und skalierbarer Optionen für über wissenschaftliche Felder der TUM behandelte Lösungen für menschliche Grundbedürfnisse, wie Mobilität, Schutz, Energie, Nahrung und Kommunikation. Was ermöglichen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Medizin, der Natur-, Material-, Ingenieur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften?

Aktionsfelder können sich aber auch besonders im Bereich gesellschaftlicher Änderungsprozesse – und -dynamiken und in der Vermittlung neuer Paradigmen ergeben.

Lassen Sie uns darüber diskutieren!